Wutag, der 30. im Mond der Frix
Nach der Seebestattung des Piratenchefs sperrten wir die übrigen Strandräuber in ihre eigene Hütte. Der Piratenchef hatte uns vom Geheimversteck des Vogts erzählt- völlig freiwillig übrigens- und wir vermuteten, dass dieser Mistkerl unser wertvolles Päckchen dort hin gebracht hatte.
Allerdings waren die Boote der Strandräuber alle absichtlich beschädigt worden und so waren wir wieder einmal froh, unser Floßbau-Talent Dagol zu haben. Der außerordentlich hübsche und begabte Dagol reparierte eins der Boote mithilfe der anderen Boote und weihte uns dabei fortwährend in die Geheimnisse des Bootsbaus ein...nehme ich an, ich konnte aufgrund der zusammengerollten Fetzen meines Unterrocks in meinen Ohren nicht so richtig zuhören.
Jedenfalls hatten wir bald ein seetüchtiges Boot und nach einer Stunde Rudern sahen wir die seltsam gespaltene Burg im Wasser stehen. Sie sah ziemlich verfallen aus und ragte 50 oder 60 Meter über uns aus dem Wasser - ohne jeden Zugang. Doch von Land aus sahen wir schwere Ketten, die man hochziehen konnte und die sich dann von einer Felsterrasse zum Vorderteil der Burg spannten. Wir hangelten uns daran entlang und von dort zur zweiten Burghälfte.
Sie schien völlig verlassen zu sein- abgesehen von einem schwachen Geruch nach Ogerscheisse. Und siehe da, in einem riesigen Haufen stinkenden Gerümpels im Rittersaal lebte so ein haariges dummes Biest. Aber nicht mehr lang, denn unsere Bogen und Wurfmesser dürsteten nach Blut. Welch seltsame Haustiere sich manche Leute halten!
Im Bergfried dann wurden wir fündig: Im Arbeitszimmer des Vogts lagen etliche Schriftstücke herum. Leider erwies sich der violette Kreis auf dem Boden als magische Falle. Aber wozu hat man männliche Begleitung: Einer der Jungs sprang hinein, fiel um und lockte eine Flut untoter Skelettkrieger die Treppen herauf. Eine gute Gelegenheit, um festzustellen, dass Wurfmesser durch den Brustkorb eines Skeletts mit hoher Wahrscheinlichkeit einfach hindurch fliegen - wann erfährt man Wissenschaft schon einmal so hautnah und eindrucksvoll?
Zu unserem Glück hatten wir auch andere Waffen parat und so erzeugten wir mit viel Getöse einen Haufen Knochenstaub. Als etwas Ruhe auf dem verfluchten Burghof eingekehrt war, suchten wir in den unteren Geschossen des Bergfrieds weiter und fanden einen magisch versperrten Kellerraum- doch leider kamen wir nicht hinein, da er magisch versperrt war. Nachdem wir mehrfach ausprobiert hatten, ob der Raum magisch versperrt war, stellen wir fest, dass er magisch versperrt war.
Die verfluchte Tür ließ sich weder öffnen noch einschüchtern, egal mit wie viel Kraft wir dagegen drückten. Da nahm Gustan den Türknauf und zog - und das verdammte Ding ging einfach auf.
So viel zur Magie. Innen war ein vollgestopfter Keller- und auf dem Tisch lag unser Päckchen, ausgepackt und leer. Der verfluchte Vogt hatte das Was-auch-immer darin einfach gestohlen! Wir durchsuchten das Durcheinander ein bisschen, fanden jedoch nichts von Wert. Ich nahm mir ein paar alte abgenutzte Waffen von der Wand mit, doch die Türmagie war nicht einverstanden. Eine Waffe zerfiel zu Staub, eine andere war nichts wert, doch ein rostiges Schwert ging durch (ich spürte eine deutliche Missbilligung der Tür, doch die ignorierte ich gekonnt).
Wieder draußen mussten wir den kleinen Gustan irgendwie tragen: Eins der Skelette hatte ihn bös erwischt und er konnte nicht mehr laufen. Doch Dagol, der herrlich Heldenhafte (und Hübsche!) band ihn sich auf den Bauch und kletterte flink und sicher (und elegant!) zurück zum Festland. Dort angekommen, zog ich das rostige Schwert aus seiner Scheide und sah mich plötzlich von Männern in karierten Schlafanzügen umgeben, die mit lauten Kriegsgeheul eine Stadt angriffen und ich sah das Schwert und es hieß Fír Wyneb und es gehörte mir ganz allein! Eine Vision! Meine erste! (Bis dahin hatte ich nur weinbedingte Visionen gehabt- oft mit dem Ergebnis, mit einem gutaussehenden interessanten Mann zu Bett zu gehen und neben einem hässlichen Idioten aufzuwachen).

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