Seltsame Türme und Notfallprotokoll C

Kaum dass wir noch nicht begonnen hatten, uns in Kolnik zu langweilen, hatte der Herr von Felmi schon wieder einen Auftrag für uns: Wir sollten einen Brief an den Zauberer Merycad überbringen und bei der Gelegenheit einmal nachschauen, warum der letzte Brief Prado von Felmis unbeantwortet geblieben war. In klaren Worten: Wir sollten einen Zauberer aufsuchen, der wenige Reitstunden im Süden wohnte, um ihm zu helfen, sein staubiges Zimmer aufzuräumen und ein bisschen Kindermädchen spielen.

Irgendwie schafften es der Herr Moncada und Gustan, der Halbling, sich vor dieser offenbar gefährlichen Herausforderung zu drücken. Der Herr Moncada verkündete, er müsse intensiv die allgemeine Stadtarchitektur von Kolnik prüfen und der Halbling meinte, er habe durch seinen Tempelaufenthalt die üblichen BBB-Aktivitäten (Bierprüfung, Badehaus, Bordell) verpasst  und sei daher gezwungen, dies nachzuholen. Ohne Badehaus vielleicht. 

Nun, so machten eben wir Übrigen uns auf den Weg nach Süden. Wir ritten, bis wir nach einigen Stunden am Flussufer den nicht eben kleinen Turm des Zauberers Merycad fanden. Einen Turm ohne Tür, Tor, Pforte oder ähnliches. Typischer Zaubererturm eben. Auch kein Briefkasten, kein Gong, keine Möglichkeit, dem Herrn Zauberer zu sagen, dass die neue Nanny da ist.
In einem völlig leeren Torhaus entdeckten wir Zeichen auf dem Boden, die einen Kreis bildeten, und in Ermangelung eines Halblings stellten wir eben den Zwerg hinein. Er musste bestimmte Worte sprechen, und wupps! war er weg. Eigentlich hätten wir jetzt wieder gehen können....aber die anderen bestanden darauf, dem Zwerg ins Ungewisse zu folgen.

Was wir empfanden, lässt sich am besten als "geografische Unsicherheit" beschreiben. Der Kreis versetzte uns direkt in eine Halle, die sich als Erdgeschoss des Turms zu erkennen gab. Vorsichtig und neugierig erkundeten wir den Raum: Er war leer. Hinter einer verriegelten Tür befand sich ein winziger Raum ohne Fenster- ebenfalls leer. Eine Treppe führte ins nächste Stockwerk, welches leer war. Von diesem Stockwerk aus konnte man auf die Krone der Mauer gelangen, die den Turm umgab. Wir umrundeten den Turm auf der Mauerkrone und fanden eine kleine Plattform mit Liegestuhl, Aschenbecher und einer Mauerzinne, die vermutlich von einem ungeschickten Menschen als Getränkeabstellplatz genutzt wurde. Nun, ich kürze ab: So gut wie jedes Stockwerk war leer, hin und wieder standen Kisten und Kästen herum (alle leer). Im sechsten Stock befanden sich Säcke mit Körnern und Stroh. Im siebten Stock gruppierten sich mehrere Räume rund um eine große Säule in der Mitte. Wir fanden Lager und Vorratsräume und eine Falltür mit einer abwärts führenden Treppe dahinter. Im Stockwerk darunter roch es nach Tier und Stangen voller weißer ekliger Flecken spannten sich von der Raummitte zur Wand. Offenbar waren hier Vögel gehalten worden.

Wir erkundeten weitere Räume  und nur der Aufmerksamkeit  von Brindol (Zwerge haben wirklich eine besondere Beziehung zum Boden, man möchte fast sagen, sie stehen ihm nah) war es zu verdanken, dass wir die Falle rechtzeitig bemerkten. Ha! So leicht kriegt man uns nicht! Ich schlug vor, einen der Körnersäcke von unten zu holen und auf die Falle zu stellen- und siehe da, der Sack verschwand augenblicklich. Zobeida sah nach (acht Stockwerke runter, acht Stockwerke rauf- erstaunlich diese Elfen!) und wie erwartet fand sich der Sack in dem kleinen verriegelten Verlies wieder.

Erst im obersten Stockwerk befand sich ein Raum, in dem immerhin ein Schreibtisch stand. Und ein Regal.
In dem Schreibtisch fand ich einen Schlüssel, der die Tür zum Schlafzimmer des offenbar abwesenden Zauberers öffnete (Schlafzimmer sind eben meine Spezialität!). Dort stand ein Bett und in einer großen Truhe fand Dagol einige Roben des Zauberers, die er alle sofort anprobierte. 
Man stelle sich das vor: Keine Vorhänge, keine Blumendekoration, keine Teppiche. Im Prinzip keine Möbel (Kisten sind ja wohl keine Möbel, nicht wahr?) und überall Dreck. Und es riecht nach Tier. Also eine ganz typische Junggesellen-Wohnung, der die Hand einer liebenden Frau fehlt.

Einige verschlossene Türen später fanden wir endlich die Labor-Räume des Zauberers. Sie lagen voller Zeug und Phiolen und Schriftrollen und Kram. Zobeida fand eine Kristallkugel und als sie diese in ihre Hände nahm, erschien das zerzauste Gesicht eines alten Mannes, der sagte, er sei Merycad und er habe sich in Schwierigkeiten gebracht und wir sollten Notfallprotokoll C beachten- und das Gesicht verschwand.

In der Mitte des Raums war ein Podest mit einem Hebel und der mutige Brindol sprang darauf, betätigte den Hebel und fuhr mitsamt dem Podest in die Tiefe. Dort unten fand sich ein Wandschrank, in dem mehrere Kupferamulette hingen, ein blau leuchtender Steinbogen und ein Buch. Wir blätterten darin und fanden Notfallprotokoll C, aus dem folgendes zu entnehmen war:

1. Roter Stein links und Blauer Stein rechts. 2. Kein Eisen! 3. Badekleidung nicht erforderlich, aber wünschenswert 4. Amulett nicht vergessen!

Aha. Äh. Was?

Diese Zauberer! Nun, da lagen mehrere farbige Steine und in dem leuchtenden Bogen waren entsprechende Aussparungen. So weit, so einfach. Kein Eisen! Mit ungutem Gefühl legten wir unsere Waffen ab und hängten uns jeweils eins der Amulette um. Potzblitz! Das Amulett verwandelte alle anderen in Menschen, selbst den dicken Zwerg! Und Dagol trug plötzlich eine normale Haarfarbe! Zelaya bestätigte dies, Brindol jedoch behauptete, wir seien Knall auf Fall alle zu Zwergen geschrumpft. Zobeida sah uns als Elfen und Dagol  war entsetzt darüber, nicht mehr der einzige wunderschöne Halbelf zu sein!
Die Wirkung der Amulette war offensichtlich die, in Rasse und Volk dem Betrachter gleich zu erscheinen. Sehr praktisch!

Drittens Badekleidung! Was das wohl sein sollte? Wir rechneten damit, irgendwie ins Wasser zu geraten und so legten wir sämtliche Rüstungen ab uns standen alsbald in Unterkleidern vor dem sich öffnenden Portal. Mutig schritten wir hindurch und fanden uns plötzlich in einer gemauerten Nische wieder. Durch einen fadenscheinigen Vorhang fiel etwas gefiltertes Tageslicht und dahinter erklangen viele Stimmen und Schritte.
Wo zum hinterlistigen Garhunn waren wir gelandet??


Bei den blauen Froschfressern

Dagol, dessen Heldenmut schier unerschöpflich schien, wagte es, durch den Vorhang zu treten und sich umzusehen. Niemand beachtete ihn besonders. Und mit "niemand" meine ich jede Menge sehr seltsamer, äußerst blauer Gestalten, die irgendwie vogelig-menschlich aussahen, aber Schwimmhäute zwischen Fingern und Zehen hatten und irgendwas Kiemenartiges am Hals hinter den Ohren. Leute, die man sicher zu keiner Geburtstagsfeier einladen würde.
Offenbar befanden wir uns in einer Stadt. Häuser, aus Lehmziegeln erbaut, bildeten enge Gassen, die von bunten Baldachinen überspannt wurden. Hölzerne Markststände säumten das Karree größerer Plätze. Auf diesem bevölkerten Basar wurde gefeilscht, musiziert und gekocht. Vielerlei Waren wurden angepriesen: Muscheln und Krebse, Muschelschalen und Krebsscheren, Trockenfisch, Grillfisch, Kochfisch. Perlen und Korallenstücke, getrocknete Algenfladen und getrocknete Seesterne. Alles wies darauf hin, dass die Bewohner dieser Stadt aus dem Meer lebten. Wir streiften durch die Gassen und niemand belästigte uns oder wies darauf hin, dass wir nicht blau waren. Die Amulette taten offenbar ihre Wirkung.
Wir wagten es, Einheimische anzusprechen und erfuhren, dass ein Dämon gefangen worden sei, der im Tempel festgehalten werde.

Es war keine große Überraschung, im Tempel einen Käfig mit einem zerzausten Zauberer darin vorzufinden. Wir versicherten dem Oberschamanen des Tempels, Forscher und Wissenschaftler zu sein, die ihnen helfen würden, dass Dämonenproblem der Stadt zu lösen. Sehr diskret unterhielten wir uns mit dem Zauberer Merycad und fanden einiges heraus: 1. Tanzende Zwerge sind etwas derart Absonderliches, dass sich kein Schamane der Welt dieser erregenden Faszination entziehen kann. 2. Dagol kann mit den Händen reden (wussten wir schon) 3. Merycad wurde sein Amulett vom Hals entrissen und damit wurde er enttarnt (halbnackter alter Mann in dem, was er für Badekleidung hält), was naturgemäß zu einer Massenpanik führte.
Würde er befreit, dann habe er einen Ring, mit dem er uns zurück in die Heimatwelt befördern könne.
Wir beschlossen, ihn noch ein wenig im Käfig modern und von gestreiftem Karpfen träumen zu lassen (der Grund, warum der Zauberer in diese Welt gereist war). Derweil wollten wir den Amulett-Dieb finden. Wozu auch immer.
Die Nacht verbrachten wir im Pilgerdorf in einer kleinen nicht ganz schlangenfreien Hütte. Die- wie wir später erfuhren- tödliche Kupfernatter, die offenbar jemand auf uns gehetzt hatte, wurde in einem Bettbezug gefangen und zur weiteren Verwertung an einen Kräuterhändler verkauft.

Dagol freundete sich mit einem Bootsbauer an (Bootsbauer sind die einzigen, die sich mit Bootsbauern anfreunden...keiner weiß, warum). Von diesem erfuhr er, dass es einen Vulkan mit Feuergöttern hinter der Stadt gebe, wo sich niemand hintraute, da diese gefährlich seien. Tja, so etwas durfte man uns nicht sagen: Zack! Führer finden und Wumms! Los zum Vulkan! Halb oben blieb der Führer zurück und die letze Strecke bis zu einem Weg rund um den Vulkankegel bewältigten wir im Alleingang. Auf unserem Weg rund um den Berg auf der Suche nach irgendeinem Hinweis auf Feuergötter bemerkten wir, dass uns eine kleine blaue Gestalt verfolgte. Eine Dornenhecke später hatten wir einen kleinen blauen Gefangenen, der uns ziemlich widerstandslos darüber aufklärte, dass er seit Tagen versuche, uns zu töten, so wie er versucht habe, den Zauberer zu töten. Blau sein macht nicht klug, das merkt man immer wieder. Allerdings stellte sich heraus, dass das Blau ein Illusionszauber war und in Wirklichkeit war der Gefangene ein Gnom. Gnom sein macht auch nicht klug.

Jedenfalls habe er einen Boss, der sei im Berg damit beschäftigt, irgendwelche blauen Kristalle abzubauen, die halluzinogene Wirkung hätten auf manchen Welten. Ein Drogenboss also. Der Gefangene führte uns zum Eingang und wir stiegen hinab in die Tiefen des Vulkangesteins. Dort fand sich alles, was so ein Gnom braucht: Winzige Bettchen, kleine Stühlchen, putzige kleine Toiletten.
Unten angekommen versteckten wir uns und nur Dagol, der grünhaarige Halbelf verhandelte mit dem Boss der vier Gnomen darüber, den Zauberer zu befreien und überhaupt. Er erhielt einen Ring, der unsichtbar macht und die Zusicherung, dass wir den Zauberer befreien und mit nach Hause nehmen dürften. Dagol sicherte seinerseits zu, die Drogenhändler, die sich am Leid ihrer Opfer bereicherten, nicht zu verraten und nicht weiter zu behelligen. Als er entdeckte, dass entführte blaue Froschfresser mit Ketten als Sklaven gehalten wurden, damit sie die blaue Substanz abbauen konnten, rumorte sein Gewissen, doch die Ausführung des Auftrags (Schaut nach, was der windige Zauberer so treibt) schien ihm wichtiger.

Der Rest war schnell erledigt: Wir kehrten zum Tempel zurück, sprachen diskret mit dem Zauberer, malten Kreisekreise und warfen ein wenig Schwarzpulver in eine Feuerschale- und flohen mit dem unsichtbaren Zauberer nach Hause.

Wir werden wiederkehren und den Drogenhändler-Sklaventreibern ein unwürdiges Ende bereiten, so viel ist sicher. Und gestreiften Karpfen werden wir das nächste Mal auch essen!














Noch ein Artefakt...ist der Mann süchtig?

Kleiner Nachtrag
Offenbar verfügt Zobeida tatsächlich über eine große magische Begabung: Sie hatte nicht teilgenommen am unten beschriebenen Ausflug, da ihre Geister ihr von einer Gefahr gesprochen hatten. Und siehe da: Einige von uns kehrten mit einer Krankheit zurück, die uns etliche Tage aufs Lager zwang. Was mal wieder beweist, dass man auf die Stimmen in seinem Kopf hören sollte.

Tustag, der 10. im Freudenmond

Kaum hatten wir uns an die Annehmlichkeiten der weichen Betten in Kolnik  gewöhnt, kam Donata zu uns, um uns ein Angebot Prado von Felmis zu unterbreiten.
Da wir bereits zugesagt hatten, ihm sein kostbares Artefakt, welches uns gestohlen worden war, wieder zu beschaffen (aus den Archiven der sicher schwer bewachten Abtei- nebenbei bemerkt..) und dies unter der Tarnung einer Händlergruppe geschehen sollte, hatten wir uns eigentlich gefreut, einige Tage, bis das Handelsschiff bereit sei, in Kolnik herum zu hängen- auf Kosten unseres Auftraggebers versteht sich.

Nun, einige von uns hatten schon schwer damit angefangen: Der Zwerg Brindol zum Beispiel trank seit drei Tagen ununterbrochen jeden unter den Tisch, der sich traute, gegen ihn anzutreten. Die zuvor jeweils getroffenen Verabredungen, was der Sieger bekommen würde, hatten allerdings sicher keinen Bestand vor der Justiz, denn sie klangen ungefähr so: "Wennuschaffsuntanischssundrgnkommssunsilbabanuwennusschaffs." Die Antwort lautete stets ungefähr so: "Aber klar- Wirt! Zwei Bier für mich und meinen Freund- und wenn ihr schon dabei seid, bringt noch zwei für meinen Freund und mich!"  Ein Unglücklicher antwortete jedoch: "Haha, einen verdammten Zwerg unter den Tisch zu trinken ist doch keine Herausforderung...fehlen ja nur 3 Zentimeter!" Brindols Treffsicherheit mit der Axt war vom Alkohol kaum beeinträchtigt und so war der Mann froh, dass er wenigstens noch an einem Fuß alle Zehen hatte.
Zobeida streifte durch die dunklen und seltsamen Bezirke der Stadt, in der Hoffnung magische Artefakte, Tränke, Rezepte oder sonst welchen Zauber zu finden. Sie ging allein, was einige zwielichtige Gestalten zu der Annahme verlockte, sie könne eine leichte Beute sein. Sie würden nie den Abend vergessen, an dem sie sich plötzlich von einer Dornenhecke eingekreist sahen, über die ein Feuerball nach dem anderen flog und ihnen die Haare versengte. Und als die Kinder erst merkten, dass die Ganoven hilflos waren - und als sie erst mit Steinen warfen und dann mit fauligem Gemüse und als ein Junge auf die Idee mit den Nachttopf-Bomben kam!
Nur Dagol verbrachte seine Tage auf den Stufen vor der Herberge, malerisch in graziler Haltung, die grünen Haare mit den bunten Bändern darin sorgfältig über der Schulter drapiert, und versuchte, Donata ein Lächeln zu entlocken. Wie traumverloren deklamierte er Liebesgedichte und seufzte ein ums andere Mal tief, wenn er sie von Ferne sah. Er bekam viele Angebote von handfesten Witwen und des nachts auch von verhuschten Männern, doch Donata beachtete ihn nicht, und so begab sich Dagol nach zwei Tagen und zwei Nächten in seine Kammer, verdunkelte die Fenster, verkroch sich ins Bett und beschloss, mindestens eine Woche lang zu leiden.

Als denn Donata kam mit dem Auftrag Prados, mal eben aus einem benachbarten Dorf ein Artefakt abzuholen, war Dagol mit Leiden noch nicht fertig, Brindol konnte zwar noch stehen, jedoch weder sprechen noch laufen und Zobeida war einem Rezept auf der Spur, daher beschlossen die beiden Ritter Moncada und Zelaya, der Halbling Gustan und meine Wenigkeit, den läppischen Auftrag zu erledigen.

Donata fuhr uns mit der Kutsche ungefähr eine Stunde lang nach Südosten. Dabei passierten wir eine Grenze. Dahinter lag das Königreich Amaj (Heidenland, wie man weiß) und in der Nähe eines seltsam gespaltenen Baumes sagte sie uns, die Straße sei zu schlecht und wir müssten die letzte halbe Meile zu Fuß gehen. Kein Problem für Gustan und mich, nur die Ritter jammerten, dass sie ihre Pferde nicht hätten und überhaupt.
Wir gingen gerade zwischen den beiden Hälften des Baumes hindurch, da fing es heftig an zu schneien- im Freudenmond! Schlimmer noch, überall lag Schnee und es war ganz dunkel, fast wie in einem Schneesturm. Wir drehten uns entsetzt nach Donata um, doch sie warf Gustan nur einen Sack an den Kopf und war verschwunden. Und mit ihr die Straße, die Kutsche, das schöne Wetter, unsere Hoffnung auf einen netten kleinen Ausflug und jegliche Verlässlichkeit der Realität.
In dem Sack waren Wintermäntel - diese gemeine Zauberhexe hatte den Schnee also absichtlich gezaubert um uns zu verwirren und zu demütigen. Murrend stapften wir gen Norden, wo angeblich das Dorf sein sollte. Und siehe da, nach kaum einer Stunde Schneestapfen kam Wolfang in Sicht, tief verschneit und auf seltsame Art seltsam. Das Dorf bestand aus langen niedrigen Holzhäusern, die um einen Platz angeordnet und am Dachgiebel mit Pferde- und Drachenköpfen verziert waren. Da draußen keine Menschenseele war, bummerten wir an die Tür des größten Hauses und nach kaum einer Ewigkeit öffnete sich die Tür und heraus kamen in dieser Reihenfolge: Jede Menge stickiger Holzrauch, der Gestank ungewaschener mutmaßlich dicker bärtiger Männer, das Odeur von schlecht gegerbten Tierhäuten, eine Spur Gerstensuppendampf, trunkenes Gegröhle, Hundegebell und das Geklirr von Tonkrügen in Fettpfützen auf Eichentischen. Als die bucklige Frau, die uns geöffnet hatte, uns unwirsch herein winkte, traten wir nur ein, weil die Alternativen noch weniger attraktiv erschienen.

Wir sahen alles, was wir zuvor nur gerochen hatten. Auf einer Art Thron saß ein großer Mann in Fellkleidung. Hinter ihm hingen gekreuzte Eisenäxte an der Wand. Das war, wie sich herausstellte, Leif Leifson, der Sohn des Leif und Chef des Dorfs. Wir sollten unsere Waffen ablegen (die Leute hier starrten unsere Stahldolche an, als wären sie aus purem Gold) und uns zu ihnen setzen. Wir bekamen Eintopf und Met und einen Platz auf eng besetzten Holzbänken zwischen rauen aber freundlichen Dörflern.
Die Unterhaltungen allerdings waren merkwürdig- so wusste keiner etwas von Kolnik, obwohl das doch die größte Stadt in diesem Teil des Landes ist.  Auch kannten sie weder den König noch den grauen Orden. Als wir schon vermuteten, dass sie noch nie jenseits des Dorfangers gewesen waren, berichteten sie vom Meer im Norden und von einer Thingstätte, die auch als Handelsplatz diente einen halben Tagesmarsch im Nordwesten.

Der Herr Moncada erkannte zuerst, was sich als unglaubliche Wahrheit herausstellte: Wir waren 30 Meilen südöstlich von Kolnik und wir befanden uns 500 Jahre in der Vergangenheit.

Darauf brauchte ich glatt noch mehrere Becher Met. Schließlich war ich jedoch bereit, alles zu glauben, was man mir erzählte.

Der Dorfbarde (sie sagten hier "Skalde") erzählte uns Geschichten von Leif Erikson, dem Vater von Leif Leifson. Dieser muss wohl so einiges drauf gehabt haben, denn jedes Kind kannte irgendwelche Heldengeschichten von seinen Reisen und so. Er war es jedenfalls, der das Artefakt gebracht hatte, von einem Zauberer namens Merricat und sie brachten es ihrem Obergott Ulric zum Opfer (indem sie es mit Eisennägeln an der Wand befestigten). Ulric, der als Holzstatuette herumstand, bekam auch immer wieder Eisennägel in den Kopf. Diese eindeutige Vorzugsbehandlung wollte Nali, der andere wichtige Gott (des Wetters, der Liebe, bla bla) nicht hin nehmen (wie uns die weise kleine Alma, 5 Jahre, erzählte) und so schickte Nali einen ewigen Winter, der den Anbau von gesundem Gemüse unmöglich machte und die Leute zwang, jeden Tag gebratene Tiere zu essen, oh meine Götter, wie grausam!

Jedenfalls wollten wir dieses Artefakt und hatten extra zum Tausch einen riesigen Eisenbarren mitgeschleppt, doch der Skalde schickte uns zum Obermufti Leif und der schickte uns zum Skalden und irgendwie schien niemand so richtig interessiert zu sein, außer Almas liebe Omi, die mit blinden Augen offenbar die einzig Sehende unter lauter Hühnern war und klar erkannte, dass das Artefakt des netten Zauberers von nebenan nicht hierher gehörte und fremd war, genau so wie wir, und dass es am besten mit uns dahin ginge, wo es hingehöre, genau wie wir und wieder einmal wurde klar, dass alte Frauen irgendwie alles wissen und nichts Fremdes mögen.

Nun, bevor wir es schafften, Leif Leifson diese Ideen näher zu bringen, wurde zur Jagd geblasen auf einen riesigen Eber mit Feueratem und Drachenhörnern, so groß wie ein Stier und so gefährlich wie zwei Stiere, der das Dorf bedrohte und verhöhnte und kleine Kinder fraß.

Das war das erste Mal, dass wir voller Bedauern an den Waldläufer dachten, wie er leidend vor unerfüllter Liebe in seiner dunklen Kammer lag. Verdammt, der Elf hätte wenigstens einen Bogen gehabt!
Nun, der Gedanke, dass ein Nahkampf gegen einen solch teuflischen Rieseneber irgendwie gefährlich sein könnte, kam unseren Rittern nicht. Sie stürmten voran, schrieen Todesdrohungen in den Schneewind und schossen dem auf sie zustürmenden Eber einen Armbrustbolzen in die Flanke, hauten ihm mit dem Schwert eins über die Rübe und da bekam der Eber Angst und floh blutend in ein Tannendickicht.

Wir krochen hinterher...und sahen, dass der Eber in einen Felsspalt rannte. Während der Halbling und ich auf die Felsen kletterten, um den Eber von oben zu Tode zu schießen, stürmten die Ritter beide in den Spalt. Als der Eber sah, dass er verfolgt wurde, drehte er um und griff an. Er rannte erst in Moncadas Schwert und Schild, warf den langen Lulatsch um und warf sich dann gegen Zelayas Schild. Diese hielt stand und so kassierte das Untier noch zwei Schwerthiebe.

Da warf sich von oben mit gezücktem Hiebmesser der Halbling Gustan auf die Stelle, wo der Eber hätte sein können, aber nicht war und rammte mit aller Kraft sein Messer in den Boden. Ich hätte erzählen können, dass der Eber sich darauf hin tot lachte, doch starb er sicher an dem Armbrustbolzen, den ich ihm zielgenau irgendwo in den Pelz schoss. Ich dankte den Rittern, dass sie ihn so schön für mich eingekesselt hatten, denn die Präzision meiner Armbrustschüsse sei nicht so erprobt (das war das erste Mal, dass ich mit so einem Ding geschossen hatte! Anfängerglück!).
Jedenfalls stand Gustan auf, klopfte sich den Dreck von den Knien, sprang auf den Eber und gab dem bereits toten Tier den Rest. Und noch einen Rest. Und noch einen!

Wir holten die Dorfleute, präsentierten ihnen ihren nicht ganz so riesigen Rieseneber, bestätigten, dass er gewiss Feuer gespien hatte, wir ihn jedoch trotzdem besiegen konnten und während die Frauen das Jagdfest vorbereiteten, konnten wir Leif Leifson mithilfe des Skalden überzeugen, dass der Kopf des Ebers eine prima Opfergabe für einen erzürnten Gott darstelle und dass das Artefakt nicht hier her gehöre und wir es deshalb mitnähmen und je mehr Met Leif trank, desto leichter war er zu überzeugen und so bekamen wir alsbald das alte Schwert vom Götteraltar und machten uns auf den Weg zurück in die Zukunft.

Ich machte mir große Sorgen, was wir an dem gespaltenen Baum vorfinden würden und siehe da, meine Befürchtungen trafen ein: Der Schnee verschwand, die hinterlistige Donata tauchte auf und die Aussicht auf ein glückliches Leben ohne Gemüse, mit viel gebratenem Fleisch und Fässern voller Met an der Seite von rauen wilden Männern als einzige Frau im Dorf, die jemals gebadet hatte und wusste, wie man ein Dekolletee trägt, verblasste vor meinen Augen zu einem Traum.

































Aus dem Journal Prado von Felmis



Das Artefakt ist fort.

Nicht, dass es mich überraschen würde. Nachdem die Bunte Kuh über fünf Tage überfällig war, obwohl sie Galitt termingerecht verlassen hatte, stand etwas Derartiges zu befürchten.

Was soll aus uns einfachen Geschäftsleuten nur werden in diesen Zeiten, wenn es nicht einmal mehr möglich ist, ein einfaches Päckchen von Altfurth nach Kolnik liefern zu lassen, ohne Komplikationen und Scherereien... Raubritter, Piraten, Zöllner, und was weiß ich noch Alles.

Vielleicht sollte ich dem Imperator vorschlagen, ein reichsweites allgemeines Nachrichten- und Paket-Versandtsystem einzurichten, wie es doch im Alten Reich vor bald 1500 Jahren doch offenbar schon möglich gewesen war. Oh Glorreiche Zeiten!

Nur würde das bedeuten, dass seine Kaiserliche Hoheit mich dann sofort um weitere 5000 Goldtaler Kredit anpumpen, und mir dafür nichts als einen weiteren belanglosen Titel mit zugehörigem verwahrlosten Landgut anzubieten haben wird...

„Dör Krieg im Osten, werter Froind...“ jaja, ich weiß.

Nun habe ich heute endlich die Eskorte meines Päckchens persönlich kennen lernen dürfen, und ich muss sagen, mein Neffe Anton entwickelt mit der Zeit eine interessante Gabe der Menschenkenntnis.



(Menschen o.ä.)


Selten sah ich eine abgerissenere Gruppe Abenteurer. Sie wirkten, als hätten sie die Nächte der letzten Woche oder gar Monate ausnahmslos unter freiem Himmel verbracht.

Dennoch sehe ich auch Potential.

Ich werde ihnen die eine oder andere Aufgabe stellen, um ihre Begabungen zu prüfen, bevor ich sie entsende, mein Artefakt aus den Kammern des Ordens wieder zu beschaffen, doch ich bin zuversichtlich, und glaube fest, dies ist der Beginn einer für alle Seiten äußerst vorteilhaften Zusammenarbeit.

Ich habe ihnen Donata zur Seite gestellt. Besonders der Elf mit den farbigen Haaren scheint Gefallen an ihr gefunden zu haben.
Donata wird ihnen jede mögliche Unterstützung zukommen lassen, und sie gleichzeitig für mich im Auge behalten.

Das verschafft mir die Zeit, die ich brauche, um die neuen Informationen auszuwerten. Was sie mir über die Umtriebe einiger Ordensleute berichtet haben, wiegt schwer. Das verlangt nach einer sofortigen Neuanalyse der Situation. Wer mag dieser N. sein? Er ist keiner der Großen Drei, denke ich, aber er verfügt offenbar über nicht unwesentliche Macht im Orden.

Er kann Brüder disziplinieren und strafversetzen lassen. Er hat Einfluss auf die Flotte. Er wird entweder zum Klerus oder zu den Graumänteln gehören, und mindestens den Rang eines Dekans oder Erzdiakons innehaben.

Vielleicht ist es an der Zeit, mich mal wieder mit meinem Guten Freund M. auf ein paar Gläser Wein zu treffen.

Ha, da kommt mir eine gar fabelhafte Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Nach Kolnik (fast ohne Umwege)

Bridtag, der 6.  im Freudenmond

Nachdem in Fleggn alles und jeder erledigt war, beschlossen wir zusammen mit den neuerworbenen Pferden weiter zu ziehen gen Kolnik, um dort unserem Auftraggeber entgegen zu treten.
Der schwerkranke Halbling wurde von Zobeida versorgt und auf ein Pferd gebunden. Der Herr Moncada war froh, dass er über Land reisen durfte- dennoch schien er auf der ersten halben Tagesreise etwas abwesend (wahrscheinlich in tiefe Gedanken versunken über die Abgründe des grauen Ordens). Nachdem man uns von einer Furt-Burg im Landesinneren erzählt hatte (wo gewiss nicht nur Zoll erhoben würde, sondern vielleicht auch Ausschau gehalten würde nach ein paar verloren gegangenen Pferden), reisten wir an der Küste entlang.
Wir ritten durch Sand, auf Sand, um Sand herum, auf Sandbänken entlang und die einzige Unterbrechung der Ödnis waren die kaum unterdrückten Schmerzlaute von Dagol, dem Waldläufer. Irgendwann steckte er sich seltsames Grünzeug in die Hose, um die Schmerzen an seinem Allerwertesten zu lindern. Ob er dabei auch Brennesseln erwischte? Jedenfalls tönte sein Gewimmer nur noch lauter durch die salzige Luft.
Nachdem wir uns deutlich verritten hatten, wachte Herr Moncada auf und führte uns an. Er tat das einzig Richtige: Er ignorierte einfach, dass hier das Wasser nicht wusste, wo das Meer endete und das Land nicht wusste, wo die Küste war und sich deshalb Wasser und Land immer wieder vermischten, um hässliche Bastard-Sandbänke voller Muscheln und Tang hervorzubringen. Herr Moncada ritt nach dem Stand der Sonne und wahrscheinlich mit Hilfe seines Pferdes, welches auch nicht so erpicht auf eine Karriere als Seepferd war und fand so den Weg.

Wir verbrachten die Nacht in einem kleinen Wäldchen und erreichten am nächsten Tag problemlos den kleinen Handelsposten. Hier tauschten wir die Pferde bei einem schmierigen Händler in eine Schiffspassage um. Der Mann murmelte etwas von "Umlackieren und Fahrgestellnummer heraus fräsen" und zog uns nur ganz wenig über den Tisch. Er gab uns einen Fetzen Papier, den er "Wechsel" nannte und behauptete frech, dafür würden wir in Kolnik Gold bekommen. Ja, und seine Großmutter kann des nachts fliegen! Egal, Hauptsache weg von hier! Während Dagol das Ende seiner Reiterkarriere feierte, beklagte sich der Herr Moncada bitterlich bei seinem edlen Streitross, dass sie beide schon wieder eine Seefahrt ertragen müssten. Das Streitross ertrug diese Aussicht jedenfalls mit deutlich größerer Gelassenheit.

Doch die Überfahrt mit der sogenannten Schnigge verlief ruhig und nach zwei Tagen auf Küstengewässern fuhren wir mitten hinein nach Kolnik und legten auf einer langgezogenen Insel inmitten eines Flusses, der die Stadt teilt, an. Der Herr Moncada nahm tatsächlich diesen sogenannten "Wechsel" und kam auf wundersame Weise mit zehn Gulden wieder heraus aus dem Handelskontor. Ein Hoch auf die globale Geldwirtschaft! Sie funktioniert tatsächlich!
Jeder von uns steckte einen Gulden ein und die übrig gebliebenen wollten wir für die Krankenbehandlung des Halblings verwenden.

Wir suchen und fanden das Haus (eher ein Palazzo) des edlen Herrn Viskont von Felmi, dem wir ein wertvolles Päckchen schuldig waren, was den Besuch bei ihm nicht erfreulich machte. Doch zuvor fanden wir eine Brücke (aus Stein? aus Holz? wie lang? von wo nach wo? bewacht oder unbewacht? erbaut in welchem Jahr?), ein Rathaus, in welchem der Bürgermeister seine Dienstgeschäfte verrichtete, nichts ahnend, dass wir Pferdediebe und Mörder waren, und außerdem in dunkle Machenschaften rund um den Grauen Orden verstrickt, angeblich magische Gegenstände entwendet hatten, doch auf jeden Fall mehrere Angehörige der Ordnungskräfte in der Provinz getötet oder zumindest nackt ausgezogen und eingesperrt hatten. Und in diesem Nicht-Wissen sollte er sich weiter wiegen- das zumindest war die Meinung von allen vernunftbegabten Mitgliedern der Gruppe.

Das Gespräch mit Prado von Felmi, dem Viskont, verlief besser als erwartet. Eigentlich erzählten wir ihm einfach alles und er hörte uns sehr interessiert zu. Anschließend erzählte er  uns so gut wie nichts, riet uns jedoch zu einer Übernachtung in der hochklassigen Herberge am Markt und versprach, uns seine persönliche Assistentin Donata Jallop für weitere Fragen zu schicken.

Den Nachmittag über verbrachte jeder nach seinem Geschmack: Erst brachten wir Gustan, den Halbling, zu den Tempeln. Vor die Wahl gestellt, entschieden wir uns ihn den Priestern des Todestempels zu überlassen und sollte er das einen Tag lang überleben, ihn dann von den Priesterinnen der Frix liebevoll und zärtlich gesund pflegen zu lassen.

Während also die einen die örtliche Bierqualität gründlich testeten, gingen die anderen einkaufen: je nach Geschmack Waffen oder bunte Bänder für ihre (grünen) Haare. Am Abend trafen wir uns alle in der Taverne der Herberge am Markt und ohne dass wir sie bemerkt hätten, saß plötzlich Donata Jallop unter uns und fragte uns, ob wir etwas gegen Halblinge hätten. (Wahrscheinlich bezog sie das auf ihren Herrn, einen Halbling- was uns nur kurz überrascht hatte, mir jedoch beinahe einen frechen Spruch über "Was-man-über-Halblinge-im-Bett-sagt" entfahren ließ).

Wir teilten ihr mit, dass wir Halblinge lieben (...gut gesalzen und mit zerlassener Butter), dass unser bester Freund auch ein Halbling sei (der Grund, warum wir ihn in die dunklen Hände der Todespriester gegeben hätten) und vor allem, dass wir dem Herrn von Felmi gerne helfen würden, sein kostbares "Ding" (und hier musste ich nur wenig hüsteln) aus jedweder feindlichen Hose zu holen um ihm zu strahlender Größe zu verhelfen. Gute Götter, ich sollte es auf jeden Fall den anderen überlassen, solche Verhandlungen zu führen!

Wiedersehen alter Freunde

Astag, der 1. im Freudenmond

Ihr erinnert euch an dieses seltsame Dorf voller heimlicher Strandpiraten namens Fleggn? Eigentlich wollte ich da nie wieder hin - nicht nur weil es mich in seiner Ödnis an Ottensten erinnerte, sondern vor allem, weil wir einige der Dorfbewohner/Strandpiraten über den Jordan geschickt und den Oberchef der Kriminellen-Truppe "Wortkarger Wirt/Piratenboss" seebestattet hatten (was übrigens für heftige Moral-Diskussionen sorgte, aber davon später...).
Da waren jedoch zwei Probleme: Nach dem heldenhaften und moralisch völlig berechtigten Überfall auf die zerfallene Burg des Vogts hatten wir weder Reittiere noch Vorräte und so beschlossen wir, die Nacht im ausgeräucherten Piratenlager zu verbringen.
Ihr werdet nicht glauben, wen wir dort antrafen! Mancher erinnert sich vielleicht an die Geschehnisse in Dosti, als der Geburtstag der Prinzessin gefeiert und vielerlei Festivitäten rund um ein Ritterturnier stattfanden. Die Kurzfassung, die damals um die halbe Welt ging, lautete: Turnier leidlich spannend, ein Ritter siegt, aber puff! Prinzessin plötzlich weg - und wer sie wieder fände, sollte sie dann heiraten dürfen und eine fette Mitgift kassieren. Wir also zack! hin, Burg gestürmt, falschen Drachen entlarvt und verliebten Zauberlehrling gefangen. Belohnung kassiert und weiter gereist. Wer will schon eine Prinzessin aus Dosti heiraten? Na ja, jedenfalls waren es meine schlauen und tapferen Mitstreiter von damals, die wir in dem Piratenlager wieder trafen:
Zobeida, die heilkundige Magie-Elfe, Brindol, ihr seltsamer Zwergenfreund und der edle und heißblütige Ritter Moncada. Diese drei hatten sich offenbar weiter zusammen durch die Welt geschlagen und suchten in dem Piratenlager nach genau jenem unheilvollen Stein, der inmitten der Zelte stand.
Da war die Wiedersehensfreude groß und ich stellte meinen alten Freunden das Grüppchen vor, mit dem ich hier her gereist war: Zelaya, die Ritterin, ihres Auftrags beraubt, auf das ach so wertvolle und wichtige Paket zu achten, widmete sich sogleich ihrer Pflicht: Sie wies uns darauf hin, dass wir die gefangenen Piraten zu befreien hätten, und die im Dorf gefangenen Matrosen sowieso und dass die Seebestattung des Wirts moralisch verwerflich gewesen sei und überhaupt. Der hübsche Halbelf Dagol warf sein grünes Haar und versuchte, Zobeida zu beeindrucken, was ihm jedoch gründlich misslang. Denn die widmete sich ganz unserem kleinen Freund Gustan, der von den untoten Skelettkriegern auf der Burg schwer verletzt worden war. Als Zelaya erfuhr, dass ich auf der Burg ein schönes Schwert gefunden hatte und dieses Schwert mich erwählte und sogar einen Namen trug, war sie ein kleines bisschen neidisch und bestand darauf, ins Dorf zu ziehen, um die Matrosen zu befreien, auf dass wir wenigstens etwas Gutes täten.

Nun denn, am nächsten Morgen spähten wir vom Waldrand ins Dorf hinunter und sahen dort sechs Pferde hinter dem Wirtshaus angebunden. Dagol, der grünhaarige Halbelf und Brindol, der Zwerg, der sich gut hinter hohem Gras verstecken konnte, schlichen sich ins Dorf zur Spionage. Ich verkleidete mich als Knappe und begab mich zusammen mit dem Ritter Moncada auf die Straße, wo wir von der anderen Seite ins Dorf einritten, jedoch von fremden Wachleuten aufgehalten wurden. Die anderen warteten im Wald.
Unsere Erkundungen ergaben, dass die Soldaten offenbar die Strandräuber finden und festnehmen wollten.

Also alles kein Problem für uns- hätten wir nicht ganz aus Versehen die sechs angebundenen Pferde geklaut. Als wir sie gerade praktisch fast zurück geben wollten, griff uns der dumme Sergeant mit seinen Leuten an und so waren wir leider gezwungen, den einen oder anderen zu töten.
Zobeida reagierte blitzschnell und zauberte eine Dornenhecke um die Angreifer und Brindol und Moncada spannten blitzschnell drei Minuten lang ihre verdammten Armbrüste, um dann elegant daneben zu schießen. Den Göttern sei Dank hatten wir auch noch ein paar Leute mit richtigen Waffen, die dem Sergeant Respekt beibringen konnten.

Das Ende vom Lied war, dass wir die Matrosen aus dem Handelsschiff aus dem Keller holen konnten (dank Gustan, der erfolgreich ein paar Seite aufknotete) und das machte die pferdestehlende Ritterin glücklich.  Die anderen Soldaten waren mit vollen Hosen verschwunden, der Sergeant lag im Staub, nur so ein blöder fetter Ritter streckte die Waffen und guckte Zelaya traurig an, damit sie ihn in weiche Wolle hüllen und zu seiner Mami tragen sollte.

Wir konnten sie jedoch überzeugen, dass es uns nur Ärger einbringen würde, auf gestohlenen Pferden mit einem gefesselten Ritter zu reisen, und so zogen wir ihm seine Rüstung aus und sperrten ihn in die leere Scheune des Dorfes.
Dann machten wir uns auf in Richtung eines Handelspostens, von dem wir gehört hatten- immer Richtung Kolnik, wo wir unserem Auftraggeber sagen würden, dass wir das wertvolle Paket (Artefakt?) verloren hätten.

Verräter-Briefe

Der Vogt hatte offenbar Post erhalten vom großen Unbekannten. Irgend etwas Mieses und Verräterisches war da im Gange und wir hatten das ungute Gefühl, gegen unseren Willen Teil einer Geschichte von Verrat und Krieg zu sein.